Warum ich Schilf so mag

Schilf im Wind am ElbstrandSchilf im Wind am Elbstrand
Möwen klein grauEin sonniger Tag im Winter, ich mache mich auf zum Strand. Nicht zum Nordseestrand – es geht zum Elbstrand. Hier bei Otterndorf, so kurz vor der Mündung in die Nordsee, ist die Elbe mächtig. Sie ist breit und ich habe nicht das Gefühl, an einem Fluß zu sein. Das andere Ufer ist kaum zu sehen.

Der schöne Weg führt mich immer am Wasser entlang, dann sehe ich etwas, das ich wirklich mag: Schilf! Warum ich gerne Schilf mag, weiß ich gar nicht. Vielleicht liegt es an den Geräuschen, wenn der Wind hindurchgleitet. Vielleicht liegt es an den wogenden Bewegungungen, die von den Halmen ausgehen – es entstehen dabei wunderbare Bewegungen – ein wenig wie eine La Ola, aber anmutiger.

Seestern grau

Schilf macht glücklich

Es kann auch sein, dass es die Farbe der Halme ist. Das Schilf ist goldgelb wie reifes Getreide im Sommer kurz vor der Ernte. Gerade im Winter keimen Erinnerungen auf, an eine wärmere Zeit – ich freue mich darauf. Dazu der strahlend blaue Himmel. Die Temperatur spricht eine andere Sprache als das, was die Augen aufnehmen. Die Augen sagen: Sommer, der Körper fühlt: Winter.
Schön ist auch der Blick voraus. Schiffe auf der Elbe, kleinere rot-weiß-gestreifte Leuchttürme, die den Schiffen den richtigen Kurs zeigen.

Schilf und Leuchttürme

Schilf und Leuchttürme

Ich gehe weiter am Schilfsaum entlang. Es wird immer dichter und bald stehe ich mitten drin. Es umhüllt mich und gibt mir das Gefühl der Geborgenheit, ohne mich einzuengen. Ein bißchen geheimnisvoll ist der Weg, der tief in das Schilffeld hineinführt. Irgendwann geht es nicht weiter, weil es sumpfig wird. Matschiger Boden, durch den ich jetzt nicht gehen mag, aber die sumpfähnliche Landschaft hat etwas wohlig geheimnisvolles an sich.

Anker solo

Picknick im Schilfwald

Wieder etwas zurück eine Lichtung mit Strandboden. Ich stelle mir vor, an einem warmen Sommerabend hier mit netten Menschen zu sitzen, vielleicht ein Grill, oder ein Picknick, etwas zu trinken. Die Stille des Ortes zu geniesen, die Bilder in den Augen, Segelboote auf der Elbe, große und kleine Schiffe, etwas Wind, das sanfte Wiegen der Schilfhalme. Perfekt zum entspannen.

Lichtung im Elbschilf

Lichtung im Elbschilf

Was ist das eigentlich: Schilf?

Ich lese, Schilf heißt eigentlich Schilfrohr, hat einen tollen lateinischen Namen, und kommt gerne in Sumpfgebieten vor. Es gehört zur Art der Süßgräser. Die Elbe ist salzig, aber das sumpfige Land, etwas vom Ufer entfernt scheint ein idealer Grund für Schilf zu sein, sich hier niederzulassen. Die schönen Reetdächer, die man hier im Norden oft sieht, bestehen aus: Schilf! Es soll sogar brandhemmend und gut isolierend sein und auch als Filter in Kläranlagen eigesetzt werden. Hätte ich nicht gedacht. Die Wurzeln des Schilfs machen dreimal soviel aus wie die sichtbaren Halme und ein Wurzelstock kann für ein ganzen Schilffeld zuständig sein. Ein Schilfhalm ist also keine einzelne Pflanze.sondern Teil eines Ganzen – einer einzigen Pflanze.

Weg durch das Schilffeld

Weg durch das Schilffeld

Achtung Schilf-Eulen

Leider keine richtigen Eulen, sondern eine Schmetterlingsart, die sich im Schilf wohlfühlt. Im Herbst unter den Blättern abgelegt, überwintern die Eier dort. Im Frühling schlüpfen die Raupen und fressen ein Loch in das Schilfrohr und kriechen in den hohlen Halm. Nach ein paar Umzügen in größere Halme, verpuppt sich die Raupe und im Hochsommer schlüpft der fertige Schmetterling.

Herz

Dekoratives Schilf

Eigentlich würde sich das Schilf gut zu Hause machen. Steht das nicht unter Naturschutz? Ich bin verunsichert. Zuhause schaue ich nach. Schilf steht nicht unter Naturschutz – im Gegensatz zu den Rohrkolben, die nicht mitgenommen werden dürfen. Ich werde demnächst wieder an das Elbufer zurückkehren und ein paar Halme mitnehmen und hole mir damit etwas Elbstrandatmosphäre nach Hause.

Wogendes Schilf

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